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Herzlich Willkommen auf workaBLOGic!

workablogic.de nimmt sich als Hauptziel jeden Winkel der Arbeitswelt in Form von Kurzgeschichten mit Witz darzustellen. Es ist in jedem einzelnen Beitrag immer ein Schuss Humor mit drin und es werden auch hier und da typische Klischees, wissenswerte Informationen, Wahrheiten und auch Tipps mit eingebaut. So soll workaBLOGic dem Leser Spaß vermitteln aber darüber hinaus auch informieren und man sollte nach jedem Artikel wieder ein Stückchen schlauer sein. Die gesamte "Arbeitswelt" ist als eine Art Soap aufgebaut und somit ist jeder Beitrag in irgendeiner Form an den vorherigen gekoppelt. Ich wünsche Euch viel Spaß auf workablogic.de, Euer Alex

Jul 08 2009

Ein Leben im Hartz

Abgelegt um 00:27 unter Kurzgeschichten

Wer klingelt denn bitte so früh an meiner Wohnungstür?! Ich stehe auf, mache mich gemächlich im Schlafanzug Richtung Tür und schaue durch mein kleines Guckloch. Ein Mann, Mitte 40. Ich öffne die Tür einen Spalt breit, stecke meinen Kopf hinaus und frage den Herrn, wie ich ihm behilflich sein kann.
„Guten Tag. Herr Kunz?“ Ich nicke. „Ich bin von der GEZ und möchte Sie fragen, ob Sie Radio, Fernseher oder sonst irgendetwas zu melden haben.“ Ich schenke ihm ein müdes Lächeln, sage ihm dass ich Hartz IV-Empfänger bin und dass solch ein Schnick-Schnack bei mir sicherlich nicht zu finden wäre.
Er gibt sich mit dieser Aussage zufrieden, dreht ab und verschwindet im Treppenhaus. Ich gehe in die Küche, schaue auf die Uhr: 10:27. Ich habe noch etwas Zeit bis zum Mittag und verkrieche mich wieder unter meiner Bettdecke.
Mein Tag ist klar aufgeteilt. Bis gegen 12 Uhr wird geschlafen, dann gibt es Mittagessen zum Start in den Tag. Nachmittags sitze ich entweder auf der Couch und zappe im Fernsehen rum oder ich sitze auf meiner kleinen Terrasse und schaue den Menschen auf der Straße zu. Kurz vor Ladenschluss gehe ich dann noch an den ein oder anderen Tagen einkaufen und abends sitze ich entweder wieder vor dem Fernseher oder in einer Kneipe und spüle ein paar Bierchen runter.
(Gut anderthalb Stunden verstreichen…)
Mein Wecker macht sich gegen Mittag bemerkbar und somit heißt es für mich aufstehen. Ich gehe rüber ins Badezimmer, wickele zuerst einmal mein allmorgendliches Geschäft ab, putze mir die Zähne (aber nur mit Wasser, nicht dass mein Mittagessen von der Zahnpasta geschmacklich versaut wird) und rasieren steht erst wieder am Wochenende an. Ich bin einfach zu faul um mich täglich zu rasieren und für wen sollte ich mich auch schön machen? Für den Herrn von der GEZ, für meine Playstation oder meinen chronisch leeren Kühlschrank?

Achja, falls jemand von Euch Lesern aus einer betuchteren Gesellschaftsschicht kommen sollte und Ihr Euch nicht mit Hartz IV auskennt, gebe ich Euch doch gerne mal ein paar Eckdaten. Hartz IV bezeichnet die Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe (Hilfe zum Lebensunterhalt) zum Arbeitslosengeld II.
Trotz der Bezeichnung als Arbeitslosengeld ist Arbeitslosigkeit keine Voraussetzung, um das sogenannte ALG II zu erhalten. Es kann auch ergänzend zu anderem Einkommen und dem Arbeitslosengeld I bezogen werden.
Ich gehe allerdings keiner Arbeitstätigkeit nach und beziehe somit kein anderes Einkommen als Hartz IV. Sollte ich vielleicht Spargel stechen gehen? Wohl kaum, bei dem Stundenlohn und vor allem müßte ich da morgens verdammt früh raus. Nein, das ist nichts für mich. Wieso sollte ich auch einer Arbeit nachgehen, wenn der Staat mich eh genügend unterstützt?
Es landet monatlich Geld auf meinem Konto, die Wohnung bezahlt auch Vater Staat, da sehe ich es nicht ein, wieso ich mir meine Hände schmutzig machen sollte. Was kann ich denn dafür wenn die Politiker Gesetze verabschieden, bei denen man als Arbeitsloser mehr im Portemonnaie hat, als wenn man einer Tätigkeit nachgehen würde? Hier liegt das Problem eindeutig im System, da können mich die Leute da draußen gerne Schmarotzer nennen. Ich nehme nur das, was mir gegeben wird.
Angefangen hatte damals ja alles mit dem Hartz-Konzept. Dies ist eine Bezeichnung für Vorschläge der Kommission „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“, die in Deutschland unter der Leitung von Peter Hartz tagte und im August 2002 ihren Bericht vorlegte. Erklärtes Ziel des Hartz-Konzeptes (Hartz IV mit Wirkung ab dem 1.Januar 2005) war es, innerhalb von vier Jahren die Arbeitslosenzahl von damals vier Millionen zu halbieren. Dieses Ziel konnte zwar nicht annähernd erreicht werden, mein Leben allerdings hat es in eine sehr angenehme Bahn gelenkt.
Meine Tiefkühlpizza müsste bald fertig sein, dann setze ich mich vor den Flimmerkasten, lasse mich ein wenig von den üblichen Talkshows mit Britt, Kalwass und Salesch berieseln, ehe ich danach noch von meiner Terrasse aus die Leute auf der Straße beobachte.
Heute Abend treffe ich mich dann wieder mit Harry&Co, meinen Pokerkumpels, in unserer Stammkneipe und dann ist dieser Tag einige Promille später auch wieder rum.

11 Kommentare

11 Kommentare zu “Ein Leben im Hartz”

  1. Igoron 27 Aug 2009 at 13:17 1

    haha, lustig geschrieben – aber entspricht der Wirklichkeit.
    Noch eine Info, HartzIV-er sind von der GEZ Gebühr grundzätzlich befreit .

    Igor

  2. Alexon 27 Aug 2009 at 13:54 2

    Hey Igor,
    freut mich dass der Text gefällt.
    Ich würde allerdings nicht verallgemeinern und sagen… dass es der Wirklichkeit entspricht. Klar, es gibt solche und solche… aber noch lange nicht alle, sind so wie hier dargestellt.
    Da hier auf der Seite allerdings auch der Spaß im Vordergrund stehen soll, werden die Geschichten natürlich auch dementsprechend angepasst.
    Und danke für die Hartz IV Info, wieder mal was dazu gelernt.

  3. Walteron 19 Nov 2009 at 22:58 3

    Hi Alex,

    war mal selbst ein paar Wochen in der freudigen Lage von Hartz IV leben zu dürfen.

    Deine Beschreibung kommt in etwa hin. Wenn man Mittags eine Fertigpizza ißt (~ 2,50 €), steht man besser erst nach dem Frühstück auf, da sonst von den 4,50 € am Tag für Lebensmittel am Abend für die Pokerrunden und die Biere nicht mehr genügend nach bleibt. Bleibst du öfter Abends in der Kneipe kannst du natürlich auch einen Teil der Stromkosten versaufen, weil du ja in der Wohnung kein Licht brauchst.

    Herr laß es Hirn regnen

  4. Alexon 20 Nov 2009 at 08:11 4

    Hallo Walter,

    zuerst einmal Willkommen hier auf der Seite und danke für deinen Beitrag.
    Mit der Fertigpizza anstelle des Frühstücks, das erinnert mich sehr an das Studentenleben, aber darum gings dir mit deiner Antwort ja nicht.
    Ich kann deinen Zynismus verstehen, muss allerdings sagen, dass die Kurzgeschichten hier mit Humor zu nehmen sind. Mehr dazu hier: http://www.workablogic.de/2009/07/16/klarstellung/
    Nur komisch, dass es bislang nur Leute gab, die sich bei dieser Geschichte hier irgendwie auf den Schlips getreten fühlten, nicht aber die Frauen oder Männer die betrügen, die hier erwähnt wurden. Oder auch die „Snobs“ aus der 1. Klasse im Flugzeug. Hier und da gibt es halt Seitenhiebe in meinen Geschichten, doch ist dies zum Auflockern der Geschichten gedacht, nicht um Menschen vor den Kopf zu stoßen.
    Dennoch danke ich dir für deine Meinung, die ich 100%ig nachvollziehen kann, denn nur ein hoffentlich kleiner Teil, lebt das Hartz IV-Leben, so wie hier drüber beschrieben. Doch für eine witzige Kurzgeschichte, ließ sich dieser Fall halt besser verwenden, als einer, der von Arbeitsamt zu Arbeitsamt läuft.
    Wie gesagt, ich schreibe und nehme all meine Geschichten mit Humor und kann auch über mich selbst lachen. Man sollte nicht alles zu Ernst nehmen.
    Ich wünsche dir ein angenehmes Wochenende,
    schöne Seite hast du im übrigen, hab gerade bei den Cineasten reingeschnuppert.
    Wünsche dir alles Gute,

    der Alex

  5. Walteron 20 Nov 2009 at 11:29 5

    Hallo Alex,
    es gibt die beschriebenen Personen, ich treffe sie bisweilen im Supermarkt (Toastbrot, Scheibenkäse, SixPack, Oldesloher – Tiefkühlpizza ist zu teuer, abends Kneipe ebenfalls), die meisten sind resigniert, viele alkoholkrank. Wer da wieder raus will, braucht ne Menge Humor – möglichst schon Mittags, wenn er das erste Mal in den Spiegel schaut.

    Die meisten, die ich aus der Arbeitslosenberatung kenne, sind Heldinnen des Alltags. Jede Alleinerziehende, die es fertig bringt mit Hartz IV, ihre Kinder zu rechtschaffenden Menschen zu erziehen, verdient nach meiner Meinung das Bundesverdienstkreuz.

    Grüßße und alles Gute
    Walter

  6. Alexon 20 Nov 2009 at 11:33 6

    Erneutes Hallo,

    dein „Jede Alleinerziehende, die es fertig bringt mit Hartz IV, ihre Kinder zu rechtschaffenden Menschen zu erziehen, verdient nach meiner Meinung das Bundesverdienstkreuz.“ würde ich glatt so unterschreiben.

    Ich wünsche auch dir alles Gute, danke für deine Beiträge hier und ein angenehmes Wochenende,

    Alex

  7. Tarikon 29 Jan 2010 at 21:58 7

    Sorry, dass ich ein altes Thema ausgrabe.

    Sicher, die Kurzgeschichten sind mit Humor geschrieben.
    Trotzdem wäre es gut, sich Themen herauszusuchen, die keine Vorurteile unterstützen, keine zu krassen Klischees beinhalten, die andere Leute verletzen.

    Ich denke nur einmal an einen Diplom-Informatiker, 20 Jahre hart gearbeitet, Firma geht pleite oder ähnliches, plötzlich ist er zu alt, als dass ihn irgendwer noch einstellen möchte.

    Da helfen die Qualifikationen auch nichts mehr, ihm bleibt nichts anderes übrig als HartzIV zu empfangen.
    Statt ein gutes Grundgehalt lebt er jetzt nicht mehr mit Premiere, Internet-Flatrate und Plasma-Fernseher.

    Was denkt sich jemand wie diese fiktive Person, der so einen Beitrag liest?
    Dass er ein Schmarotzer, ein Parasit der Gesellschaft ist?
    Dass er unfähig ist, auf eigenen Beinen zu stehen, seinen Lebensunterhalt zu verdienen?

    Ich möchte hier absolut keine Vorwürfe machen.
    Der Artikel ist humorvoll und beispielhaft geschrieben, allerdings weiß ich nicht, ob er eben nur gut ankommt, oder auch bei manchen Leuten andere Gefühle erweckt.

  8. Alexon 30 Jan 2010 at 20:26 8

    Hallo Tarik,

    herzlichen Dank für deinen Kommentar.
    Zuerst einmal wundert es mich, dass immer nur bei dieser Kurzgeschichte bemängelt wird, in welcher Form sie geschrieben wurde.
    Bei der Frisöse wird das typisch „blond“ unterstrichen, bei der Hostess die „sabbernden Typen“, auch der Butler bekommt sein Fett als „Pinguin“ weg, bei Catering, wird sogar ein Politiker auf die Schippe genommen, im Kaufhaus bei der Verkäuferin werden die Korpulenten leicht touchiert oder bei der Flugbegleiterin wird gegen die Erste-Klasse-Gäste gewettert… um nur ein paar andere Kurzgeschichten zu erwähnen, wo man etwas „negatives“ finden könnte.
    Doch das ist doch weiss Gott nicht böse gemeint, sondern soll doch eher auf Probleme in unserer Gesellschaft hinweisen. Nichts desto trotz, wird stets versucht es mit Humor unter die Leute zu bringen und ich denke mir, dass dein genannter Diplom-Informatiker wohl sehr gut zwischen sich und der fiktiven Person in dieser Geschichte unterscheiden kann.
    Noch heute war folgendes in der Zeitung zu lesen und auf genau diese Missstände wollte ich hinweisen, dass es doch nicht sein darf, dass jemand der arbeitet weniger Lohn bekommt, als einer, der sich bewusst vom Staat durchfüttern lässt?
    Hier der heutige Zeitungsartikel:
    http://www.bild.de/BILD/politik/2010/01/30/deutschlands-frechster-arbeitsloser-arno-duebel/ich-werde-so-schnell-muede-wenn-ich-arbeite.html
    Ich verstehe ja deine Gedanken und kann sie auch zu 100% nachvollziehen, denn viele Menschen stehen den einen Tag noch mitten im Arbeitsleben und nur ein Tag später wird Ihnen mit einer Kündigung die Existenz unter den Füßen weg gezogen. Doch genau diesen Menschen, müsste der Unterschied schon klar sein, zwischen sich selbst und den „Parasiten“ wie du es genannt hast, die sich nicht um eine Arbeit bemühen, diese sogar verweigern und dennoch mehr bekommen, als andere, die brav morgens früh aus dem Bett müssen und abends geschafft nach Hause kommen.
    Danke Tarik für deine Ansicht und ich hoffe du verstehst nun auch meine.
    Ich wünsche uns allen ein angenehmes Wochenende,
    mit freundlichen Grüßen,

    Alex

  9. Walteron 30 Jan 2010 at 21:02 9

    Hallo Alex,

    natürlich gibt es vereinzelte Fälle bei denen jemand keinen Bock auf Arbeit hat. In unserem Kreis haben 60% der Bezieher von Hartz IV ein anrechnungsfähiges Einkommen, d.h. sie sind entweder schlecht bezahlte Arbeiter oder arbeitslos mit Nebenjob – die Missbrauchrate liegt weit unter denen von Steuerhinterziehung.

    Also nichts mit faules asoziales Pack.

    Diese Kampagne zielt aber auf etwas ganz anderes. Am 9.2. wird das Bundesverfassungsgericht über die Hartz IV-Regelsätzen entscheiden und da muss von den „unabhängigen“ Medien massiv Stimmung gemacht werden, indem man einen Amateurschauspieler einen typischen Arbeitslosen spielen läßt.
    Die Presse spielt die Steilvorlage für solche Hetzer wie Koch. Gleichzeitig rechnet das Institut für Weltwirtschaft in Kiel die Einkünfte von Arbeitslosen schön und die Zunft der Hofberichterstatter plapperts es noch. (die Grundrechenarten sollte man an der Kieler Uni doch beherrschen)

    Hier wird ganz massiv miese Stimmungsmache betrieben.

    Grüsse

  10. Alexon 30 Jan 2010 at 21:15 10

    Hallo Walter,

    danke für deinen sehr interessanten Kommentar, da habe ich doch glatt einiges gelernt am heutigen Abend! 😉
    Und auch ich weiss, dass es nur vereinzelte Fälle sind, die den deutschen Staat derart ausnutzen und diese die absolute Minderheit wiederspiegeln.
    Dennoch dürfte es in meinen Augen einfach nicht sein, dass einer der wöchentlich 40 oder mehr Stunden arbeiten geht, weniger verdient als jemand der nicht an der Arbeitswelt partizipieren möchte.
    Aber ich wusste schon bevor ich diese Kurzgeschichte veröffentlicht hatte, dass einiges an Zündstoff vorhanden ist, aber es war, ist und bleibt halt ein heißes Thema.
    Es war vom Schreiben her aber für mich nun mal einfach interessanter eines der paar schwarzen Schafe darzustellen, da es einfach mehr Schreibpotential geboten hat, als die Armen (und Mehrheit), die sich um Arbeit kümmern, aber bislang noch von Hartz IV abhängig sind.
    Danke für die interessante Diskussionsrunde,
    liebe Grüße,

    Alex

  11. Kristinaon 08 Nov 2012 at 12:08 11

    Der Artikel ist bei sehr vielen Alltag ! Vor allem viele junge Leute die keine Kinder haben, keine Aufgabe sehen…
    Klar über Hartz brauchen wir nicht weiter zu reden, das gejammere kann ich allerdings nicht ertragen.
    Ich arbeite mehr als 40 Std. die Woche und habe weniger in der Tasche als ein Hartzer…..

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