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Herzlich Willkommen auf workaBLOGic!

workablogic.de nimmt sich als Hauptziel jeden Winkel der Arbeitswelt in Form von Kurzgeschichten mit Witz darzustellen. Es ist in jedem einzelnen Beitrag immer ein Schuss Humor mit drin und es werden auch hier und da typische Klischees, wissenswerte Informationen, Wahrheiten und auch Tipps mit eingebaut. So soll workaBLOGic dem Leser Spaß vermitteln aber darüber hinaus auch informieren und man sollte nach jedem Artikel wieder ein Stückchen schlauer sein. Die gesamte "Arbeitswelt" ist als eine Art Soap aufgebaut und somit ist jeder Beitrag in irgendeiner Form an den vorherigen gekoppelt. Ich wünsche Euch viel Spaß auf workablogic.de, Euer Alex

Okt 21 2009

Auf den Fersen der Storchentante

Abgelegt um 00:27 unter Kurzgeschichten

Morgens 4 Uhr. Im Halbschlaf hört man das Piepen des Pagers und hofft unterschwellig dass es nur ein Irrtum ist oder ein Traum.
Kein Irrtum, das Ding piept permanent weiter. Also raus aus dem Bett und los geht’s. Keine Zeit für eine Dusche, keine halbe Stunde im Bad um sich zu schminken und Zähnchen zu schrubben. Das muss alles warten. Ich springe nur in die Jeans, T-Shirt, Jeansjacke drüber, Handy, Autoschlüssel, das berühmte „Köfferchen“ und los geht’s…

Es ist dunkel und mir ist kalt. Im Gedanken geht man die Patientenkarte und Krankengeschichte der Patientin durch.
Termingeburt? Zu früh? Könnten Probleme kommen?
Mike Oldfield dudelt leise aus dem Autoradio als ich meinen Wagen vor einem kleinen Einfamilienhaus abstelle.
4:45 Uhr. Ein aufgeregter Mann öffnet sofort die Haustür um mich rein zu lassen. Seine Stimme überschlägt sich um mir mitzuteilen wie es seiner Frau geht.

Im Wohnzimmer grinst mir eine junge Frau entgegen mit den Worten „Endlich, der Zwerg lässt sich aber auch Zeit“. Ich grinse zurück, erleichtert dass sie entspannt ist und nicht aufgeregt oder gar verzweifelt wie in vielen Fällen. Ich checke die Vitalwerte, erkundige mich nach den Abständen der Wehen und rufe einen Krankenwagen. Regelmäßige Wehen alle vier Minuten Zeit um ins Krankenhaus zu fahren.

Inzwischen ist die Oma der Familie da um sich um die zwei Kleinen zu kümmern die seelig ruhig schlafen, während ihr Geschwisterchen sich langsam aber sicher auf den Weg macht. Der werdende Papa ist schon startbereit mit Tasche und Handy bewaffnet und begleitet seine Frau mit dem Krankenwagen. (Er ist verdächtig blass um die Nase…)


Ich steige in meinem Wagen und folge ihnen. In der Klinik angekommen übernimmt eine Kollegin die werdende Mama, die in der Zwischenzeit schon mit zusammen gepressten Lippen und zischenden Geräuschen spricht. Ich begleite sie noch zum Untersuchungsraum.
Hier wird sie nun an das CTG (Cardiotokographie = simultane, also gleichzeitige Herzton- und Wehenaufzeichnung. Bei der Messung kann entweder ein akustisches Signal umgewandelt werden, wenn die Herztöne über die Bauchdecke der Mutter abgeleitet werden oder es kann direkt über elektrische Schwankungen durch eine kleine Elektrode, die am Köpfchen oder am Steiß des Babys befestigt wird, aufgezeichnet werden) angeschlossen und die Hebamme wird prüfen wie weit der Muttermund geöffnet ist. Durch eine vaginale Untersuchung wird ertastet wie der Geburtsverlauf steht.

Ich drücke die werdende Mama lieb und wünsche ihr alles Gute mit dem Versprechen spätestens am nächsten Morgen reinzusehen.
Die Entbindung selber wird die diensthabende Klinik-Hebamme leiten.
Ich selber habe Bereitschaft und habe an diesem Tag weitere Hausbesuche und Nachsorge Termine. Für den werdenden Papa gibts einen aufmunternden Stoß in die Seite „Hey, das packst du“.

5:30 Uhr. Langsam wird das Krankenhaus wach. Patienten, Schwestern, Ärzte eilen durch die Gänge. Ich gehe ins Schwesternzimmer und schnappe mir den ersten Kaffee des Morgens. Werde über den neuesten Tratsch informiert und sehe mir schnell die Urlaubsfotos von Katrin an.

6:30 Uhr. Wieder Zuhause, Kaffee, Zigarette, duschen, telefonieren, Spülmaschine ausräumen, Waschmaschine einräumen, PC hochfahren. Mails beantworten, bloggen, im Forum nach dem Rechten sehen. Nebenbei Schreibkram. Krankenkassenabrechnungen, Patientenstatistiken und Co.

Inzwischen Junior wecken und eine heisse Diskussion führen über Mopeds und Mopedführerscheine. Sohnemann in die Schule schicken mit dem Hinweis, dass Mopeddebatten nur mit Leuten geführt werden die ihre Englischnoten verbessern.

Telefon. Eine junge Frau, erstes Kind, 18. Schwangerschaftswoche. Sie hat Schmerzen, macht sich Sorgen.
Jacke, Autoschlüssel und wieder geht’s los. Nach einem Gespräch, jeder Menge Fragen und einer Tasse Tee beruhigt sich die Lage. Die Schmerzen sind Blähungen. Zuviel Obst am Vortag. Klar dass es im Bäuchlein rumort. Mit dem Baby ist alles ok.

Mit einem Blick auf die Uhr geht es zum nächsten Termin. Eine Nachsorge. Eine Wöchnerin, die Frau unseres Optikers (übrigens sehr zum empfehlen der gute Mann). Sie hat ambulant entbunden und ist mittlerweile mit dem Baby zuhause. Der Kleine ist 3 Tage alt. Nachsehen wie es Mama und Kind geht ob es mit dem Stillen klappt, Fragen oder Probleme abklären usw. Routine, aber schöne Routine…
Nächster Termin, wieder ein Hausbesuch. 34. Schwangerschaftswoche. Gespräche über geschwollene Beine und Rückenschmerzen. Abtasten und hören wie es dem Bauchzwerg geht.

Wieder nach Hause. Ich bin müde, habe Hunger und müsste für die Junkies noch ein paar Partnermails beantworten. Essen machen, aufräumen und endlich Zeit fünf Minuten die Beine hochzulegen.
Fünf Minuten? Ich werde durch das Klingeln des Telefons wach.

Der Mann einer Patientin. Sie ist bereits in der Klinik.
Mit einer Kollegin zusammen holen wir denn neuen Erdenbürger. Ein kleines Mädchen, topfit und gesund. Die Stimmung ist sanft und liebevoll als das kleine Mädchen auf der Brust der Mama liegt und von ihren Eltern mit streicheln begrüßt wird.
Inzwischen ist es früher Abend.
Im Schwesternzimmer duftet es nach frischen Kaffee. Ich setze mich in das rein, nehme mir einen Becher Kaffee und ein Stück Obstkuchen vom Vortag. Kleiner Smalltalk mit dem neuen Stationsarzt. (Wow, sieht auch nicht übel aus…)

20 Uhr. Meine Bereitschaft ist zu Ende. Keine Telefonanrufe mehr, keine Kugelmamas mehr. Ein ruhiger, entspannter Abend.
Fast. Die Moped Diskussion von heute Morgen geht weiter…

(Michaela)

19 Kommentare

19 Kommentare zu “Auf den Fersen der Storchentante”

  1. Alexon 21 Okt 2009 at 07:51 1

    Herzlichen Dank an Arven für diesen Gastbeitrag.
    Ich hoffe er gefällt Euch Lesern genau so gut wie mir.
    Wünsche allen einen angenehmen Mittwoch,

    Euer Alex

  2. Arvenon 21 Okt 2009 at 08:25 2

    Ich sage Danke! Es hat echt Spass gemacht hier zu schreiben.
    Mein erster Gastbeitrag, Premiere 😉

    Lieben Gruss, Michaela

  3. Pe-Su-Kion 21 Okt 2009 at 09:02 3

    Einen schönen guten Morgen,

    ein schöner Artikel, der allen Lesern einmal zeigt, was so alles in anderen Berufen los ist. Es sind ja immerhin ganz schön viele Stunden, die von der Erstellerin geleistet werden mussten. Nicht überall ist nach 8 Stunden schluß und man kann nach Hause gehen und auf Wochenende oder Feiertage nehmen die Kleinen auch keine Rücksicht.

    Was mich allerdings aus reiner Neugierde interessieren würde, warum ist dieser Artikel nicht auf dem Blog von Arven gepostet, sondern als Gastartikel hier?

    Lieben Gruß Pe-Su-Ki (Peter)

  4. Arvenon 21 Okt 2009 at 09:20 4

    Hallo Peter,

    Dieser Artikel wurde nur für Alex geschrieben. Für seine Aktion „Soaps“ in der er verschiedene Berufe vorstellt. Da gibt es einige nette Geschichten und er hat mich gebeten ob ich auch einen Artikel schreiben möchte 🙂

  5. Alexon 21 Okt 2009 at 09:22 5

    Hier mehr dazu:
    http://www.workablogic.de/2009/10/12/stell-deinen-beruf-vor/

    Gruß, Alex

  6. plerzelwuppon 21 Okt 2009 at 09:33 6

    Wirklich ein sehr schöner Artikel. Das klingt alles sehr spannend und erfüllend, andererseits aber auch unheimlich hektisch. Hut ab vor dieser Leistung 🙂

  7. Arvenon 21 Okt 2009 at 09:38 7

    Oliver ich denke alle Berufe die nicht standardmäßig nach acht Stunden aufhören oder zb. regelmäßige Arbeitszeiten haben sind anstrengend zumindest gehen sie teilweisse an die Substanz.

    Das ist bei Feuerwehrmännern nicht anders als bei der Polizei oder beim Wachdienst.

    Aber sehr viele schöne Momente machen stundenlange Dienste und ihren Stress nicht mehr so schlimm 😉

  8. Frau_Mahlzahnon 21 Okt 2009 at 09:47 8

    Super, Arven — total toller Text, spannend und interessant! Wenn auch sicher oft auch sehr belastend, wenn was nicht ganz so toll läuft. Dennoch beneidenswert, einen „wärmeren“ Beruf kann es sicher kaum geben. Ich fand es auch immer soooo schön, mit den Kleinen auf dem Bauch erst einmal gemütlich zu liegen… (auch wenn Mutze mir gleich einmal auf den Bauch…).

    Übrigens: biete mich an zum Thema Hausfrau, *ggg*.

    So long,
    Corinna

  9. Alexon 21 Okt 2009 at 09:51 9

    Hallo Corinna,

    Willkommen auf workaBLOGic.
    Ja, der Text wie auch die Aufgabe als Hebamme scheint auch mir als Mann sehr erfüllend zu sein.
    Zum Thema Hausfrau, da habe ich schon einen zum Besten gegeben: http://www.workablogic.de/2009/03/23/ich-fuhre-ein-sehr-erfolgreiches-kleines-familienunternehmen/
    Kannst ihn dir ja mal gerne durchlesen und mir als Hausfrau Rückmeldung geben. Vielleicht finden wir noch eine andere Berufssparte für dich? 😀
    Liebe Grüße,

    Alex

  10. Arvenon 21 Okt 2009 at 11:44 10

    @ Corinna

    Danke für dein Feedback *Bussi nach Graz*

    Wie wäre es mit dem Beruf „Mama“ Das fände ich persönlich total schön 🙂

  11. Alexon 21 Okt 2009 at 11:46 11

    Die Kurzgeschichte auf die ich obendrüber verlinkt habe, zeigt das Leben einer Hausfrau&Mutter.
    Daher sind die schon vergeben, so Leid es mir tut. 🙁

  12. Frau_Mahlzahnon 21 Okt 2009 at 21:45 12

    ****Kannst ihn dir ja mal gerne durchlesen und mir als Hausfrau Rückmeldung geben. Vielleicht finden wir noch eine andere Berufssparte für dich?

    Hi Alex, auch wenn die Hausfrau quasi schon vergeben ist, hat mich der Text inspiriert, mal wieder was zu dem Thema zu schreiben. Mal schauen, wenn ich wieder mehr Zeit habe. Hab‘ ich nämlich eine Menge zu zu sagen, ;-).

    Andere Berufssparte? Ach, ist alles schon so lange her… und bringt mich immer wieder zurück zum Thema Hausfrau: warum bekommt man für die unwichtigsten und schlechtbezahltesten Jobs immer noch mehr Anerkennung, als für das, wo wirklich Herzblut und viel Kraft drin steckt???

    So long,
    Corinna

  13. Mac_BetHon 22 Okt 2009 at 08:17 13

    Hallo Arven,

    ein echt schöner Einblick in dein Berufsleben und wirklich schön erzählt!

    Läuft die Diskussion mit deinem Sohn immer noch! Die geben aber auch nicht so schnell auf!

    Dein Beruf ist sehr persönlich, weil du Menschen in einer Zeit ihrers Lebens begleitest, die sie nie wieder vergessen werden. Eine Frage habe ich aber noch wie lange nach der Geburt betreuste du noch die Eltern?

    Gruß

    Matthias

  14. Arvenon 22 Okt 2009 at 09:06 14

    @ Corinna

    Das ist auch so eine Grundsatzdiskussion über Hausfrauen und was sie wirklich leisten. So nach dem Motto das bisschen putzen und kochen… Ich persönlich plädiere noch immer für Annerkennung und ein Gehalt für diesen „Beruf“

    @ Matthias

    Die „Nachsorge“ von Mutter und Kind geht im Schnitt 6 -8 Wochen.
    Aber „meine“ Eltern können mich auch anrufen und mich auch danach noch mit Fragen zuballern. Damit habe ich kein Problem damit das gehört aber dann nicht mehr zum regulären Job 🙂

  15. Alexon 22 Okt 2009 at 09:09 15

    Ja, die Hausfrau und Mutter… für mich eine der härtesten Arbeiten überhaupt. Ich ziehe den Hut vor all denen, die täglich +- 15 Stunden im Haushalt arbeiten, denn mit einem 8-Stunden-Tag ist es sicherlich nicht getan.

  16. Arvenon 22 Okt 2009 at 09:18 16

    Und nochmal…vergessen 😉

    @ Matthias

    Ja die Mopeddiskussion vs. Englischnoten läuft noch immer *gg*

    @ Alex

    Genau das ist es…mit 8 Stunden ist das nicht abgetan. Mit Kindern und Haushalt ist man 24 Std. im Einsatz bzw. im Bereitschaftsmodus.

  17. […] Gastbeitrag schreiben. Alex hat mich gebeten im Zuge seiner Aktion Soaps im workaBLOGic einen Artikel zum […]

  18. Kristinaon 08 Nov 2012 at 11:49 18

    Sehr schöner Text ! Hatte Spaß beim Lesen !
    Bringt doch mal was über Mütter die Vollzeit arbeiten, Kinder anständig erziehen müssen und zudem den Haushalt irgendwie noch schmeißen ! 🙂

  19. Alexon 08 Nov 2012 at 13:47 19

    Erneutes Hallo Kristina
    Auf der Startseite findest du oben den Reiter „Soap-Archiv“. Dort findest du über 60 Kurzgeschichten, die (größtenteils) aus meiner Feder stammen. Einige andere hast du ja bereits entdeckt, wie ich in den Kommentaren erkennen konnte! 🙂
    Viel Spaß beim Lesen und eine Kurzgeschichte zu den Müttern die Vollzeit arbeiten wird nichts mehr kommen, da dieser Blog hier auf Eis liegt.

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