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	<title>workaBLOGic &#187; Gynäkologin</title>
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		<title>Klein, kleiner, am kleinsten</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 10:27:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alex</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soap]]></category>
		<category><![CDATA[Gynäkologin]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich werfe noch einmal einen Blick in die Akte. Sieht soweit alles gut aus, nichts auff&#228;lliges. Ich schlendere den Gang hinunter, schaue nach links um die Ecke in den Wartesaal und rufe den Namen meiner n&#228;chsten Patientin auf. Ich begr&#252;&#223;e sie, lasse sie voran in mein B&#252;ro gehen und schlie&#223;e hinter ihr die T&#252;r.
Die Frau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich werfe noch einmal einen Blick in die Akte. Sieht soweit alles gut aus, nichts auff&#228;lliges. Ich schlendere den Gang hinunter, schaue nach links um die Ecke in den Wartesaal und rufe den Namen meiner n&#228;chsten Patientin auf. Ich begr&#252;&#223;e sie, lasse sie voran in mein B&#252;ro gehen und schlie&#223;e hinter ihr die T&#252;r.<br />
Die Frau ist in der 21. Schwangerschaftswoche und somit steht heute die 2. Ultraschall-Untersuchung an. Die Erste war bereits vor elf Wochen, wo noch eine Vaginalsonographie durchgef&#252;hrt wurde. Heute wird abdominal, sprich per Bauch-Ultraschall, untersucht.<br />
Ich frage meine Patientin, wie es ihr geht und wie sie sich f&#252;hlt und nach einem kurzen Gespr&#228;ch bitte ich sie in den Nebenraum.<br />
Noch schnell tippe ich einige Daten in mein Laptop ein, gehe anschlie&#223;end r&#252;ber in den zweiten Raum, wo mich meine Patientin bereits erwartet. Ich streife mir Handschuhe &#252;ber und als die Frau auf dem R&#252;cken vor mir liegt, kann die Untersuchung beginnen.<br />
Zuerst kommt das f&#252;r Frauen so oft als unangenehm empfundene Gel auf die Bauchdecke. Dies ist n&#246;tig, da die Schallwellen des Ultraschalls durch das Gel leichter in das Innere des K&#246;rpers gelangen. Nun bewege ich den Schallkopf &#252;ber den Bauch und die Frau ist ganz aus dem H&#228;uschen als sie ihr kleines Baby sieht, wie es sich eifrig wendet und dreht. Man k&#246;nnte fast meinen, es h&#228;tte uns zugewunken. <span id="more-1405"></span>Ich vermesse den K&#246;rper, das Herzchen schl&#228;gt, der Nacken entspricht der Norm und auch sonst sieht alles so aus, wie es sich f&#252;r die 21. Schwangerschaftswoche geh&#246;rt.<br />
Ich bin froh, dass ich am heutigen Tag meine Arbeit niederschreibe, denn die Arbeit der Gyn&#228;kologie hat nicht nur Momente des Lichts sondern immer wieder auch der Trauer. So war es noch k&#252;rzlich, dass ich einer Schwangeren mitteilen musste, dass ihr Ungeborenes an Trisiomie 18 (Chromosom-Fehler &#8211; die bekanntestes Variante ist die Trisomie 21, das sogenannte Downsyndrom) erkrankt ist. In diesem Fall gab es leider keine Rettung und der kleine Winzling h&#246;rte bereits von sich auf zu leben. Das einzig positive daran, f&#252;r mich als &#196;rztin und f&#252;r die Patientin selbst, war dass wir nicht mehr &#252;ber Leben und Tod entscheiden mussten, sondern Mutter Natur es auf seine Weise gel&#246;st hatte. Dennoch sind es sehr traurige Momente, die einen schon etwas mitnehmen k&#246;nnen, auch mich als mehr oder minder Au&#223;enstehende.<br />
Zur&#252;ck zu den sch&#246;neren Momenten einer Gyn&#228;kologin. Ich versuche f&#252;r meine momentane Patientin rauszufinden, ob es sich denn um ein M&#228;dchen oder einen Jungen handelt. Ich setze immer wieder den Schallkopf auf den Bauch, versuche jeden Winkel zu erfassen, doch der kleine Mensch ist geschickt und dreht uns entweder den R&#252;cken zu oder hat die Beine &#252;ber Kreuz. Dies tut mir Leid f&#252;r die werdende Mutter, denn nun muss sie sich bis zur dritten Ultraschalluntersuchung gedulden. Dies wird dann um die 29. bis 32. Schwangerschaftswoche sein.<br />
Die Frau ist dennoch &#252;bergl&#252;cklich, dass alles nach Wunsch verl&#228;uft und da ist das Geschlecht nun wirklich nebens&#228;chlich. Hauptsache gesund. Vor allem da diese Patientin leider bereits 2 Fehlgeburten erleiden musste.<br />
Nach diesem Termin steht erst einmal Mittagspause an, in der ich wie &#252;blich mit dem Auto ins Stadtzentrum von T&#252;bingen runter fahre und dort zu Fu&#223; an der frischen Luft spaziere. Ich bin an der gr&#246;&#223;ten Frauenklinik Deutschlands, an der Eberhard Karls Universit&#228;t, t&#228;tig. Hier haben wir im Schnitt 2600 Geburten pro Jahr.<br />
Gerade in der Altstadt angekommen, klingelt mein Mobiltelefon. Die Klinik. Das war es dann wohl schon wieder mit der Mittagspause, eine Geburt bahnt sich an. Ich hole mir noch schnell was bei einem Imbiss auf die Faust und mache mich wieder zur&#252;ck zu meinem Auto.<br />
Ja, an sich bin auch ich der Umwelt zu Liebe, lieber Fahrgast im Bus, aber als Doktor muss man immer davon ausgehen, dass man in der n&#228;chsten Minute wieder zum Einsatz gerufen wird, wie gerade eben.<br />
In der Klinik angekommen, frage ich die zwei Krankenschwestern, die bislang die hochschwangere Frau betreut haben, nach letzten Informationen. Die Periduralan&#228;sthesie ist bereits angelegt, der Wehenmesser l&#228;uft und ich begr&#252;&#223;e Ihren Mann, der sich die Geburt ebenfalls nicht entgehen lassen will.<br />
Wer weiss, vielleicht ist unser Erdank&#246;mmling ja wieder so ein kleiner Frechdachs wie neulich. Gerade eben erst das Licht der Welt erblickt, schon hatte er mich von oben bis unten voll gepinkelt. Alle Anwesenden im Kreissaal konnten nat&#252;rlich nicht mehr vor Lachen und als der erste Schrei des Neugeborenen kam, wussten wir auch gleich, dass nicht nur die Harnwege ordentlich funktionierten.<br />
Nun ziehe ich meinen Kittel &#252;ber und dann wollen wir mal schauen, dass die werdende Mutter bald Ihr Kleines im Arm halten kann.<br />
Jetzt hei&#223;t es pressen, tapfer sein und hoffen wir, dass uns der Ehemann nicht umkippt.</p>
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